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Sichtwortschatz trainieren

Für schwache Leser und Leserinnen ist es wichtig, dass sie ihre Leseflüssigkeit erhöhen können. Dazu gehören unter anderem die Lesegeschwindigkeit und der Automatisierungsgrad des Dekodierens auf der Wortebene.

Es gibt verschiedene Übungsmöglichkeiten: mit Silben arbeiten, Signalgruppen erkennen oder Sichtwortschatz trainieren.
Das Ziel ist jeweils, dass die Kinder die Wörter schneller erkennen und verstehen (Automatisierungsgrad des Dekodierens) und dadurch das Arbeitsgedächtnis entlastet wird. Wenn mehr Kapazität im Arbeitsgedächtnis zur Verfügung steht, dann können die Kinder den Sinn und Zusammenhang auf Satz- und Textebene besser verstehen.

 

Gemäss Rosebrock braucht es für eine ausreichende Leseflüssigkeit folgendes:
Etwa ab der 3., spätestens 4. Klasse sollte ein Kind mindestens 100 Wörter pro Minute laut lesen können und eine Dekodiergenauigkeit von 95% erreichen.
(Quelle: Rosebrock, C. et al. (2011): Leseflüssigkeit fördern. Lautleseverfahren für die Primar- und Sekundarstufe.)

 

Wir trainieren mit unseren schwachen Leser und Leserinnen unter anderem den Sichtwortschatz. Dafür nehmen wir die 100 häufigsten Wörter der deutschen Sprache. Da diese in Texten sehr häufig vorkommen, nützt es dem Kind, wenn es die auf einen Blick erkennt und nicht mehr mühsam erlesen muss.
Dazu haben wir immer 10 dieser Wörter auf einen Lesestreifen geschrieben. Diesen Lesestreifen kann das Kind entweder direkt so lesen oder dann mit unserem "Blitzlesegerät". So nennen wir dieses Ding.

Das Blitzlesegerät hilft für die Blicksteuerung. Das Kind sieht nur ein Wort - das eingerahmte - welches es lesen muss. Am besten richtet es die Augen auf die Mitte des Fensters. Deswegen kleben wir oberhalb des Fensters oft ein Zeichen hin, damit die Orientierung leichter fällt.

 

Nach den 100 häufigsten Wörtern ist es sinnvoll, eigene Wörter aus dem Unterricht, die in den jeweiligen Fächern gerade aktuell und wichtig sind, als Sichtwortschatz zu trainieren. Dadurch hat das Kind einen klaren Bezug zum Unterrichtsgeschehen und kann aktuelle Texte im Unterricht besser erlesen.
Dafür stellen wir dir unsere leere Vorlage zum kostenlosen Download zur Verfügung.

 

In der Literatur gibt es verschiedene Listen mit den 100 häufigsten Wörtern der deutschen Sprache. Sie sind inhaltlich alle sehr ähnlich, aber nicht 100% deckungsgleich. Für unsere Liste mit den 100 häufigsten Wörtern haben wir auf die Angaben im Artikel "Grundwortschatz sichern – Kompetenzen im Rechtschreiben fördern" von Marion Glanzmann abgestützt. Fachlich und inhaltlich überzeugend zeigt Marion Glanzmann im Artikel noch viele Möglichkeiten auf, wie man in der Rechtschreibung und beim Lesen in der Förderung vorgehen könnte.

 

Eine andere Fördermöglichkeit ist das silbenbasierte Lesen. Wir haben dazu zwei Reimdominos entwickelt, die du auf unserer Webseite findest:

Reimwörter-Domino 1

Reimwörter-Domino 2

Egal für welche Vorgehensweise du dich entscheidest:
Es braucht immer viel Geduld, Zeit und Ausdauer, damit ein Kind seine Leseflüssigkeit steigern kann. Wichtig ist, dass jede Woche regelmässig trainiert wird.

 

Weiterführende Literatur:

- Rosebrock, C. et al. (2011): Leseflüssigkeit fördern

- Mayer, Andreas (2018): Gezielte Förderung bei Lese- und Rechtschreibstörungen

- Mayer Andreas (2018): Blitzschnelle Worterkennung (BliWo)

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